Gesamtschulmanipulation der Bertelsmann-Stiftung

Unter dem Titel „Österreich ist reformunfähig“ berichtet Wolfgang Böhm in der Presse vom 18.8.2016 von einer kürzlich erschienenen Bertelsmann-Studie, der zufolge Österreich in Sachen Zukunftssicherheit der Politik auf Platz 16 von 41 untersuchten Staaten zu liegen kommt. Auf den ersten drei Plätzen liegen die skandinavischen Länder Schweden, Dänemark und Norwegen.

Er schreibt dazu: „Vor allem bei Generationsgerechtigkeit und Rente sowie in den Feldern Bildung und Integration muss Österreich noch deutlich zulegen. (…) Als Beispiel für Versäumnisse wird die Bildungspolitik genannt. (…) Ausdrücklich kritisieren die Studienautoren den ‚Widerstand der Konservativen und das Blockadepotenzial der Lehrergewerkschaft‘, die eine Reform verhindert haben. Schraad-Tischler verweist darauf, dass in Österreich noch immer eine Schule mit einer längeren gemeinsamen Eingangsphase verhindert werde, obwohl sich das Modell in vielen anderen Ländern längst bewährt habe.“

Nun scheint es so zu sein, dass der Bildung in dieser Bertelsmann-Studie breiter Raum eingeräumt wird. Also Grund genug, sich in dieser Thematik bei den Spitzenreitern umzusehen. Die letzte aktuelle PISA-Studie, die medial ständig als Bildungsgradmesser herangezogen wird, stammt aus dem Jahr 2012. Dort finden wir bei den Ergebnissen folgende Reihung:

Österreich (Gesamtschule bis 10): Platz 18
Dänemark (Gesamtschule bis 16): Platz 22
Norwegen (Gesamtschule bis 16): Platz 30
Schweden (Gesamtschule bis 16): Platz 38

Viel kann also die Bildung im Bertelsmann-Ranking nicht wert sein, wenn der Spitzenreiter Schweden bei PISA 20 (!) Plätze hinter Österreich liegt. Es stellt sich die Frage, ob mit dieser angeblich seriösen Studie nicht eher Meinung in Richtung Gesamtschule transportiert werden soll. Man merkt die Absicht und ist verstimmt!

Zentralmatura: Nun schreien die Mathe-Nachhilfelehrer auf (?)

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich weder Schüler, Eltern noch Lehrer zuerst über die heurige Mathematik-Zentralmatura beschweren, sondern ausgerechnet einige Nachhilfeinstitute, die Ersten sind, die laut aufschreien.

Mathematik ist kein Zuschauersport, mathematischer Erkenntnisgewinn erfolgt in der Regel auch über kontinuierliches Üben. Nur Nachhilfeinstitute suggerieren Schülern wie Eltern, den gesamten Maturastoff in wenigen Stunden beibringen zu können. „Wozu sich lang mit Üben abmühen, wenn es im Nachhilfeinstitut auch mit wenigen Stunden getan ist“, lautet daher eine gängige Argumentation, die sich spätestens bei der Matura als leider falsch herausstellt. Jeder erfahrene Mathematik-Lehrer weiß das und vermittelt dies auch seinen Schülern. Doch oft sind es eben keine erfahrenen Lehrkräfte, sondern noch junge Studenten, die sich vor eine solche plumpe Werbemaßnahme spannen lassen.

Ein möglicher Grund für den lauten Aufschrei der Nachhilfeinstitute könnte auch in einer „Geld-zurück-Garantie“ im Fall eines negativen Ergebnisses liegen, die so manches Nachhilfeinstitut anbietet. Offenbar ist diese in vielen Fällen schlagend geworden.

Das Jammern über den angeblich unfairen Technologieeinsatz und schlechte Lehrer in den Schulen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die nun aufschreienden Nachhilfeinstitute nicht nur ihre Werbemaßnahmen überdenken sollten, sondern vor allem auch ihr Personal besser auf die Herausforderungen der neuen Reifeprüfung vorbereiten müssen. Verpflichtende Fortbildung gibt es allerdings meines Wissens nach in Nachhilfeinstituten keine.

Um nicht missverstanden zu werden: Von der „echten“ Mathematik ist die BIFIE-Mathematik meilenweit entfernt und es bleibt abzuwarten, ob die Maturanten damit wirklich für technische oder naturwissenschaftliche Studien vorbereitet sind. Aber der Aufschrei der Nachhilfeinstitute ist dann doch ein wenig zu durchschaubar …

Eine Frage an den zukünftigen Bundespräsidenten …

Am 12.3.2016 habe ich mich an die fünf Kandidaten für das Bundespräsidentenamt mit folgender Frage gewandt:
Derzeit wird seitens der Tiroler Landesregierung ein erbitterter Kampf gegen die Gymnasien geführt, bis jetzt wurden vier Bezirke (Lienz, Reutte, Imst und Landeck) als mögliche Standorte einer Gesamtschul-Modellregion via Tiroler Tageszeitung der Bevölkerung angekündigt. Verständlicherweise ist die Verunsicherung und der Frust über die Politik bei den Betroffenen groß, nicht zuletzt auch deshalb, weil seitens der Bundesregierung im Ministerratsvortrag vom 17.11.2015 (Bildungsreform) die derzeit gesetzlich vorgesehene Einbindung der Schulpartner (§ 7 und § 7a SchOG) bei der Errichtung von Gesamtschul-Modellregionen nicht mehr vorgesehen wurde. Ich bitte Sie daher um die Beantwortung folgender Frage: Werden Sie als Bundespräsidentin bzw. Bundespräsident einem Bundesgesetz die Zustimmung geben, das die derzeit gesetzlich verankerten Mitbestimmungsrechte der Schulpartner bei der Einführung von Gesamtschul-Modellregionen aushebelt oder zumindest beschneidet?

Nach einer Woche sind folgende Antworten bei mir eingetroffen, gereiht nach dem Zeitpunkt des Eintreffens:

Ing. Norbert Hofer (FPÖ) – 15.3.2016:
Eine Einbindung der Schulpartner ist gerade bei solchen Entscheidungen, wie der Einführung von Gesamtschul-Modellregionen, für Norbert Hofer enorm wichtig. Eine Beschneidung der Mitsprache bzw. der Mitbestimmung  wäre nicht in seinem Sinne. Wünsche, Anregungen, Ideen und Kritik der Schulpartner sollten immer rechtzeitig berücksichtigt würden. Die Aushebelung dieser Rechte würde, wie Sie richtigerweise anmerken, zu Verunsicherung und Frust der Betroffenen führen.

Dr. Andreas Khol (ÖVP) – 16.3.2016:
Als Bundespräsident beurkunde ich das verfassungsgemäße Zustandekommen der Bundesgesetze, die inhaltliche Ausgestaltung obliegt aber dem Parlament als Gesetzgeber. Wenn es die erforderliche parlamentarische Mehrheit für einen Gesetzesvorschlag gibt, und ein verfassungsgemäßes Zustandekommen vorliegt, bin ich an die Beurkundung gebunden.
Eine Stärke unseres Landes war immer schon, Zukunftsfragen gemeinsam am Verhandlungstisch zu lösen und ich bin zuversichtlich, dass es auch im Fall der Einbindung der Schulpartner zu einer ausgewogenen Lösung kommen wird. Sowohl in meiner Zeit als aktiver Parlamentarier, als auch in meiner Funktion als Präsident des Österreichischen Seniorenrates habe ich immer auf eine gesetzliche Verankerung von Mitbestimmungsrechten für betroffene Gruppen hingewirkt. Betroffene sollen Beteiligte sein! Auch als Bundespräsident werde ich diesen Modus beibehalten und mich im Rahmen meiner Möglichkeiten für eine verstärkte Einbindung einsetzen.

Dr. Irmgard Griss (unabhängig) – 16.3.2016:
Irmgard Griss spricht sich für mehr Autonomie und Mitbestimmungsrechte für die österreichischen Schulen aus. 

Dr. Alexander Van der Bellen und Rudolf Hundstorfer haben es innerhalb einer Woche nicht geschafft, meine Frage zu beantworten.

Drei Mal Nein für Palfrader

Gleich drei Mal wird Tirols Bildungslandesrätin Beate Palfrader von niemand Geringerem als der Unterrichtministerin Gabriele Heinisch-Hosek in der Diskussion um Gesamtschul-Modellregionen korrigiert. Ein Nein kommt von Heinisch-Hosek im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung zur Mitbestimmung der Schulpartner („aber irgendwann muss man eine politische Entscheidung treffen“), ein zweites Nein kommt zum Fortbestand der Schwerpunktschulen in Modellregionen („In den Modellregionen müssten jedenfalls einheitliche Richtlinien für eine gemeinsame Schule gelten, Ausnahmen könne es keine geben“) und ein drittes Nein kommt zum neuen Tiroler Aufnahmeverfahren an Gymnasien.

Doch was für Beate Palfrader nur als ein politisches Fiasko gewertet werden kann, entpuppt sich für die Tiroler Bevölkerung als Glücksfall. Denn wer könnte glaubwürdiger die Verschleierungstaktik Palfraders demaskieren als die Unterrichtsministerin selbst, die ja inhaltlich mit Palfrader auf einer Linie ist. Nur sagt Heinisch-Hosek was wirklich Sache ist, während Palfrader der Bevölkerung Sand in die Augen streuen möchte.

Verkauft Beate Palfrader die Bevölkerung für blöd?

„Eine ‚Gemeinsame Schule‘ ist eine Schule der Vielfalt, bei der gymnasiale Ausbildung und Schwerpunkte der NMS wie Sport, Musik, Technik und Sprachen weiter bestehen bleiben.“ (Beate Palfrader auf die Frage, wie eine Modell-Region aussehen könnte, 10.2.2016, Bezirksblätter Imst)

„Gleichmäßige Verteilung (…) der Schülerinnen und Schüler aller Leistungsspektren auf die Standorte der Modell-Regionen.“ (Ministerratsvortrag vom 17.11.2015 zum Thema Modell-Region, Seite 14)

Eine Politik, die der Bevölkerung wissentlich Sand in die Augen streut, darf sich über Politikverdrossenheit und entsprechende Wahlergebnisse nicht wundern.

Länder gegen Bund, das ist Brutalität!

„Kapfenberg gegen Simmering, das ist Brutalität“, meinte einst Helmut Qualtinger. Was Qualtinger allerdings nicht wissen konnte: Das Match Länder gegen Bund ist noch viel brutaler! Vor allem in der Bildungspolitik. Gutgläubig könnte man jetzt meinen, Länder und Bund streiten um mehr Personal, Infrastruktur und Qualität in den Schulen. Mitnichten! Gestritten wird über die Schulverwaltung.

Vor allem die Länder Tirol und Vorarlberg haben sich in den vergangenen Monaten oftmals als selbsternannte Bildungsmodernisierer präsentiert. Ausschließlich im Interesse der Kinder war man sogar bereit, demokratische Mitbestimmungsrechte außer Kraft zu setzen, um auch gegen den Willen der Betroffenen die Gesamtschule durchzusetzen. Doch nun scheint es mit dem Interesse an einer guten Zukunft der Kinder nicht so weit her zu sein, denn den Kindern ist es herzlich egal, ob ihre Lehrperson vom Land oder vom Bund verwaltet wird und ob der Herr Landeshauptmann sich auch Präsident der Bildungsdirektion nennen darf.

Dass nun genau jene beiden Bundesländer die Speerspitze im Beharren auf Einfluss, Macht und Eitelkeit bilden und damit ihr Lieblingsprojekt Gesamtschule in Gefahr bringen, kann wohl nur Ironie des Schicksals sein.

 

Wie die Friedrich-Ebert-Stiftung eine umstrittene Schulreform schönredet

So wird das wohl auch für das Tiroler Zillertal und Vorarlberg funktionieren …

Für eine gute Schule

Als bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg im Jahre 2011 die grün-rote Regierung an die Macht kam, machte sie sich sofort ans Werk, das bis dahin sehr erfolgreiche Schulsystem gehörig „umzupflügen“. Zentrum der „Schulreform“ war die Gründung von Gemeinschaftsschulen, mit deren Hilfe das Kernanliegen von Grün-Rot, ein (sozial) „gerechtes Schulsystem“ verwirklicht werden sollte. Da an dieser Schulform die Spreizung der Begabungen bei den Schülern sehr groß ist, kann der Unterricht nicht mehr im Klassenverband stattfinden, er wird deshalb individualisiert. Jeder Schüler arbeitet einen auf sein Leistungsvermögen abgestimmten Lernplan ab.

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