Drei Mal Nein für Palfrader

Gleich drei Mal wird Tirols Bildungslandesrätin Beate Palfrader von niemand Geringerem als der Unterrichtministerin Gabriele Heinisch-Hosek in der Diskussion um Gesamtschul-Modellregionen korrigiert. Ein Nein kommt von Heinisch-Hosek im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung zur Mitbestimmung der Schulpartner („aber irgendwann muss man eine politische Entscheidung treffen“), ein zweites Nein kommt zum Fortbestand der Schwerpunktschulen in Modellregionen („In den Modellregionen müssten jedenfalls einheitliche Richtlinien für eine gemeinsame Schule gelten, Ausnahmen könne es keine geben“) und ein drittes Nein kommt zum neuen Tiroler Aufnahmeverfahren an Gymnasien.

Doch was für Beate Palfrader nur als ein politisches Fiasko gewertet werden kann, entpuppt sich für die Tiroler Bevölkerung als Glücksfall. Denn wer könnte glaubwürdiger die Verschleierungstaktik Palfraders demaskieren als die Unterrichtsministerin selbst, die ja inhaltlich mit Palfrader auf einer Linie ist. Nur sagt Heinisch-Hosek was wirklich Sache ist, während Palfrader der Bevölkerung Sand in die Augen streuen möchte.

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Verkauft Beate Palfrader die Bevölkerung für blöd?

„Eine ‚Gemeinsame Schule‘ ist eine Schule der Vielfalt, bei der gymnasiale Ausbildung und Schwerpunkte der NMS wie Sport, Musik, Technik und Sprachen weiter bestehen bleiben.“ (Beate Palfrader auf die Frage, wie eine Modell-Region aussehen könnte, 10.2.2016, Bezirksblätter Imst)

„Gleichmäßige Verteilung (…) der Schülerinnen und Schüler aller Leistungsspektren auf die Standorte der Modell-Regionen.“ (Ministerratsvortrag vom 17.11.2015 zum Thema Modell-Region, Seite 14)

Eine Politik, die der Bevölkerung wissentlich Sand in die Augen streut, darf sich über Politikverdrossenheit und entsprechende Wahlergebnisse nicht wundern.

Länder gegen Bund, das ist Brutalität!

„Kapfenberg gegen Simmering, das ist Brutalität“, meinte einst Helmut Qualtinger. Was Qualtinger allerdings nicht wissen konnte: Das Match Länder gegen Bund ist noch viel brutaler! Vor allem in der Bildungspolitik. Gutgläubig könnte man jetzt meinen, Länder und Bund streiten um mehr Personal, Infrastruktur und Qualität in den Schulen. Mitnichten! Gestritten wird über die Schulverwaltung.

Vor allem die Länder Tirol und Vorarlberg haben sich in den vergangenen Monaten oftmals als selbsternannte Bildungsmodernisierer präsentiert. Ausschließlich im Interesse der Kinder war man sogar bereit, demokratische Mitbestimmungsrechte außer Kraft zu setzen, um auch gegen den Willen der Betroffenen die Gesamtschule durchzusetzen. Doch nun scheint es mit dem Interesse an einer guten Zukunft der Kinder nicht so weit her zu sein, denn den Kindern ist es herzlich egal, ob ihre Lehrperson vom Land oder vom Bund verwaltet wird und ob der Herr Landeshauptmann sich auch Präsident der Bildungsdirektion nennen darf.

Dass nun genau jene beiden Bundesländer die Speerspitze im Beharren auf Einfluss, Macht und Eitelkeit bilden und damit ihr Lieblingsprojekt Gesamtschule in Gefahr bringen, kann wohl nur Ironie des Schicksals sein.