Zentralmatura: Nun schreien die Mathe-Nachhilfelehrer auf (?)

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich weder Schüler, Eltern noch Lehrer zuerst über die heurige Mathematik-Zentralmatura beschweren, sondern ausgerechnet einige Nachhilfeinstitute, die Ersten sind, die laut aufschreien.

Mathematik ist kein Zuschauersport, mathematischer Erkenntnisgewinn erfolgt in der Regel auch über kontinuierliches Üben. Nur Nachhilfeinstitute suggerieren Schülern wie Eltern, den gesamten Maturastoff in wenigen Stunden beibringen zu können. „Wozu sich lang mit Üben abmühen, wenn es im Nachhilfeinstitut auch mit wenigen Stunden getan ist“, lautet daher eine gängige Argumentation, die sich spätestens bei der Matura als leider falsch herausstellt. Jeder erfahrene Mathematik-Lehrer weiß das und vermittelt dies auch seinen Schülern. Doch oft sind es eben keine erfahrenen Lehrkräfte, sondern noch junge Studenten, die sich vor eine solche plumpe Werbemaßnahme spannen lassen.

Ein möglicher Grund für den lauten Aufschrei der Nachhilfeinstitute könnte auch in einer „Geld-zurück-Garantie“ im Fall eines negativen Ergebnisses liegen, die so manches Nachhilfeinstitut anbietet. Offenbar ist diese in vielen Fällen schlagend geworden.

Das Jammern über den angeblich unfairen Technologieeinsatz und schlechte Lehrer in den Schulen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die nun aufschreienden Nachhilfeinstitute nicht nur ihre Werbemaßnahmen überdenken sollten, sondern vor allem auch ihr Personal besser auf die Herausforderungen der neuen Reifeprüfung vorbereiten müssen. Verpflichtende Fortbildung gibt es allerdings meines Wissens nach in Nachhilfeinstituten keine.

Um nicht missverstanden zu werden: Von der „echten“ Mathematik ist die BIFIE-Mathematik meilenweit entfernt und es bleibt abzuwarten, ob die Maturanten damit wirklich für technische oder naturwissenschaftliche Studien vorbereitet sind. Aber der Aufschrei der Nachhilfeinstitute ist dann doch ein wenig zu durchschaubar …

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