Neues Lehrerdienstrecht – ein ideologisches Machwerk

Der Entwurf für ein neues Lehrerdienstrecht, gegen den wir ankämpfen, sieht inakzeptable dienst- und besoldungsrechtliche Verschlechterungen vor: eine Erhöhung der Arbeitszeit um bis zu 40 % (an Abendschulen bis 87 %) und finanzielle Verluste im Lauf des Berufslebens von über einer halben Million Euro. Auch negative pädagogische Auswirkungen sind voraussehbar: Durch die Übernahme mehrerer zusätzlicher Klassen werden LehrerInnen weniger Zeit für die einzelnen SchülerInnen haben als bisher.

Der Entwurf ist aber auch zutiefst ideologisch geprägt, senkt die Qualitätsansprüche und steht unter dem Motto „Gleichmacherei um jeden Preis“.

1. LehrerInnen mit Bachelorstudium erfüllen in Zukunft die Anstellungserfordernisse für alle Schularten, also auch für die AHS-Langform (Unter- und Oberstufe), wo derzeit in der Regel nur LehrerInnen mit einem durchschnittlich sechsjährigem Universitätsstudium und einjährigem Unterrichtspraktikum unterrichten dürfen.
2. Alle LehrerInnen können in Zukunft unabhängig von ihrer spezifischen Ausbildung an jeder beliebigen Schulart in jedem beliebigen Ausmaß und in jedem beliebigen Fach auch gegen ihren Willen eingesetzt werden.
3. Die unterschiedlichen Herausforderungen in den verschiedenen Schularten werden nicht berücksichtigt

Dieser Entwurf ist finanziell unzumutbar, leistungsfeindlich und mit einem qualitativ hochwertigen Schulwesen unvereinbar.

Allianz gegen die Sozialpartnerschaft

Nun ist sie also aus dem Sack, die unheilvolle Allianz gegen die Sozialpartnerschaft. Denn mit dem Angebot von BZÖ, den Grünen und dem Team Stronach gemeinsam mit der SPÖ ohne Einbindung der Betroffenen ein neues Lehrerdienstrecht im Parlament zu beschließen, ist ein neuer Tiefpunkt in Sachen Demokratie erreicht.

Während die Forderung, „über die Lehrergewerkschaften drüberzufahren“ (O-Ton Robert Lugar vom Team Stronach im Kurier vom 5.7.2013) aus Sicht der Minifraktionen BZÖ und Team Stronach noch irgendwie mit dem letzten Aufbäumen vor der drohenden Abwahl im September erklärbar ist, erstaunt sie aus dem Mund der Grünen-Chefin Glawischnig doch sehr. Jene Grüne, die Basisdemokratie und den Schutz von Minderheiten stets wie einen Bauchladen vor sich hertragen, sind sie jetzt plötzlich für einen autokratischen Akt gegen die 120.000 Lehrer zu haben? Daran wird bei kommenden Wahlen noch zu erinnern sein!

Knackig ist jedenfalls nun die Situation für Bundeskanzler Faymann. Lässt er sich auf diesen Deal ein, hat er ein massives Problem mit seinen roten Gewerkschaftern, die er aber bei den Wahlen braucht wie einen Bissen Brot. Lässt er sich auf dieses Manöver nicht ein, dann steht seine Unterrichtsministerin einmal mehr im Regen da.