Irrt die Mehrheit grundsätzlich?

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Anita Heubacher beklagt am 11. Juni 2018 in der Tiroler Tageszeitung, dass 83 % der österreichischen Bevölkerung die von der Bundesregierung geplanten Deutschförderklassen gutheißen. Sie verweist auf „Experten“, die das kritisieren und vermutet, dass diese Werte auf unseriöse Art ermittelt worden sind. So weit – so schlecht! Oder wie formulierte es Bert Brecht 1953 nach dem Volksaufstand in der DDR: Das Volk hatte das Vertrauen der Regierung verloren und so beschloss die Regierung, sich ein neues Volk zu suchen!

Diese Deutschförderklassen sind grundvernünftig: Es wird ganz exakt auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingegangen. Das Ausmaß der Deutschförderung soll zwischen 15 und 20 Wochenstunden intensives Sprachtraining im Rahmen der jeweiligen Gesamtwochenstundenanzahl betragen. Neben dem Besuch einer Deutschförderklasse sollen außerordentliche Schüler als Teil der Regelklassen geführt werden und an bestimmten Fächern und Aktivitäten des Regelunterrichts (z.B. Turnen, Werkunterricht, Klassen- und Schulausflüge etc.) teilnehmen. Die neuen Deutschförderklassen können mindestens ein bis maximal vier Semester besucht werden. Der Besuch der Deutschförderklasse ist so lange verbindlich, bis der Übertritt des Schülers aufgrund der standardisierten Testergebnisse in die Regelklasse nachweislich möglich ist.

Im Vordergrund müssen die Kinder stehen, die noch zu wenig Deutsch können, um dem Unterricht folgen zu können. Diese verdienen optimale Förderung, dabei dürfen auch Kosten anfallen. Das ist auf alle Fälle gut investiertes Geld. Auch ist klar darauf hinzuweisen, dass unsere Schulen bestehende Gesetze einhalten müssen – das gilt auch für das Gesetz über die Deutschförderklassen. Und: Dass einzig und allein in Österreich und Deutschland ein differenziertes Schulsystem bestehen würde, so wie Heubacher das glauben machen möchte, widerlegt ein kurzer Blick über den eigenen Tellerrand, sprich Landesgrenzen.

Dieser Text erschien in gekürzter Form am 16.6.2018 in der Tiroler Tageszeitung.

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