Neuer Stil am Minoritenplatz

Wenn man der Agitation der inner- und außerparlamentarischen Opposition in den sozialen Netzwerken und in einschlägigen Medien Glauben schenken darf, dann steht Österreich bildungspolitisch kurz vor dem Abgrund. Denn all die segensreichen Errungenschaften und Reformen aus mehr als einem Jahrzehnt sozialistischer Bildungsministerinnen stehen mit dem Antritt der neuen Bundesregierung nun plötzlich auf dem Prüfstand. Klar, dass das in manchen Kreisen zu hyperventilierender Schnappatmung führt.

Im krassen Gegensatz dazu amtiert der neue Bildungsminister Univ.-Prof. Dr. Heinz Faßmann:

Anstatt einer Vielzahl an Reformen ausschließlich der Reform willen, ist es nun sogar möglich, bei einzelnen Projekten eine zusätzliche Nachdenkpause ob der Sinnhaftigkeit der geplanten Maßnahme einzulegen. So geschehen etwa bei der Neuen Oberstufe, die um weitere zwei Jahre bis zum Schuljahr 2021/22 aufgeschoben werden kann, um so mehr Zeit für Evaluation und Vorbereitung zu bekommen.

Anstatt ideologisch motivierter und sündteurer Schulversuche mit zweifelhaftem Mehrwert für die Kinder, kehrt man nun zum pädagogischen Hausverstand zurück. Dann etwa, wenn man von der siebenteiligen Notenskala in der NMS wieder zur gewohnten fünfteiligen zurückkehrt oder wenn man in der Volksschule wieder die Beurteilung mittels Noten einführt (natürlich kann auch weiterhin parallel zu den Noten eine verbale Beurteilung ergänzt werden).

Anstatt die Augen vor gravierenden sozialen und gesellschaftlichen Problemen an unseren Schulen zu verschließen, setzt man nun Maßnahmen, die den Lehrerinnen und Lehrern tatsächlich weiterhelfen. Dann etwa, wenn man mittels zusätzlicher Deutschförderklassen im Ausmaß von 15 Wochenstunden in der Volksschule und 20 Wochenstunden in der NMS bzw. AHS-Unterstufe sicherstellt, dass Schülerinnen und Schüler mit Sprachdefiziten möglichst schnell so gut Deutsch beherrschen, um dem Unterricht folgen zu können. Oder wenn man den administrativen Aufwand bei der Ahndung von Schulpflichtverletzungen deutlich senkt. Oder wenn man nun daran geht, veraltete Erlässe und ministerielle Rundschreiben einfach zu entsorgen, um so die Schulbürokratie deutlich abzuspecken.

Alles Selbstverständlichkeiten, könnte man meinen. Und trotzdem stellt der ruhige, sachliche und lösungsorientierte Stil des neuen Bildungsministers einen wohltuenden Bruch zu den bisherigen ministeriellen Gepflogenheiten dar.

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