Sozialismus in Reinkultur!

Mit der Demokratie nimmt man es in der SPÖ offensichtlich nicht so genau. Innerhalb weniger Stunden gibt es gleich zwei fragwürdige Ausritte von SPÖ-Politikerinnen.

Während Unterrichtsministerin Schmied die bewährte Schulpartnerschaft aushebeln und das Quorum für den für alle Kinder verpflichtenden Ganztagesunterricht deutlich senken möchte, legt die Wiener Stadtschulratspräsidentin Brandsteidl noch ein Schäuferl nach und fordert gar: „Wer mittags nach Hause möchte, der soll in eine Privatschule gehen.“

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un hätte sicher seine Freude mit den beiden Damen.

Pirat Rudolf Hundstorfer

„Die fertig ausgehandelte und der Regierung vorgelegte Einigung der Sozialpartner über die Reform der Sozialversicherung wird von den Regierungsparteien völlig ignoriert. (…) Mit der nun bereits von ÖVP und FPÖ im Sozialausschuss beschlossenen Regierungsvorlage wird kalte Polit-Demontage in Piratenmanier praktiziert“, meinte ein gewisser Rudolf Hundstorfer in einer Presseaussendung vom 4. Juli 2001, damals noch Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten in Wien.

Zwölf Jahre später ist Rudolf Hundstorfer nicht nur zum Sozialminister aufgestiegen sondern offensichtlich auch zum Piraten mutiert. Denn in der Tageszeitung „Die Presse“ meinte er am 18.8.2013 auf die Frage, ob er als Gewerkschafter empört wäre, einen Dienstrechtsentwurf wie bei den Lehrern ohne sozialpartnerschaftliche Einigung hingeknallt zu bekommen: „Ehrlich gesagt, ich verstehe meine Gewerkschaftsfreunde da wirklich nicht mehr.“

Dass der Standpunkt die Perspektive bestimmt, ist schon klar. Aber so eklatant seine eigenen Wurzeln zu verraten, wie das Pirat Hundstorfer tut, ist doch beachtlich.

Bildungspflicht: Wer sind die „echten“ Experten?

Bezeichnend ist die reflexartig ablehnende Reaktion der Opposition auf den Vorschlag des Expertenrates für Integration, ein Bildungspflicht für Jugendlich mit unzureichenden Kenntnissen in den Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechen einzuführen. Als „Experte“ gelten dort offenbar nur die Herrschaften Androsch, Salcher und Schilcher, die zwar selbst nie im schulischen Umfeld tätig waren, sich aber gekonnt als selbsternannte Bildungsexperten medial inszenieren.

Nun liegen vernünftige Vorschläge auf dem Tisch, die noch dazu auf Forderungen aller fünf Lehrergewerkschaften aus dem Jahr 2011 basieren. Niemand soll ohne entsprechenden Abschluss und die damit verbundenen Fertigkeiten und Kompetenzen in die Erwachsenenwelt entlassen werden.

Bereits beim Übertritt von der Volksschule in die Sekundarstufe sollten die dafür notwendigen Grundkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen überprüft werden. Eine allenfalls notwendige „Verlängerung“ sollte daher nicht erst mit 15 Jahren, sondern bereits im Anschluss an die Volksschule angedacht werden.

Es ist sehr erfreulich, dass dieser Vorschlag der Lehrergewerkschaften jetzt vom Expertenrat aufgegriffen wird und spontan sehr viel Zustimmung erfährt. Für Österreichs Kinder und Jugendliche wäre es allerdings noch besser, wenn Ideen und Vorschläge der Lehrergewerkschaften in Zukunft ohne Zeitverzug die Resonanz finden, die sie verdienen.