Schulbeginn – einmal anders

Zwar dauert es bis Weihnachten noch einige Monate, trotzdem erlaube ich mir, drei Wünsche am Beginn eines neuen Schuljahres zu artikulieren und hoffe, dass diese eben kein „frommer Wunsch ans Christkind“ bleiben.

Von Lehrern erwarten wir viel: Fachwissen, soziale Kompetenz, individuelle Förderung, methodisch-didaktische Vielfalt und vieles mehr. Was aber Lehrer Tag für Tag wirklich leisten, ist kaum bekannt. Im Gegenteil: Immer wieder sind Lehrer pauschaler, oft auch geradezu beleidigender Kritik ausgesetzt. Mehr Wertschätzung würde nicht nur den Lehrern gut tun, sondern auch wieder mehr junge Menschen motivieren, Lehrer zu werden.

Immer dann, wenn die Gesellschaft oder die Politik mit einem Problem nicht zurechtkommt, wird es an die Schulen delegiert. Und diese werden dann damit allein gelassen. Österreich hinkt, was schulisches Supportpersonal (Psychologen, Sozialarbeiter, etc.) und Infrastruktur betrifft, international hinterher. Mehr Unterstützung für Lehrer ist dringend notwendig, wenn sie immer mehr erzieherische Aufgaben von der Gesellschaft übertragen bekommen.

Wir überantworten den Schulen jedes Jahr aufs Neue unser höchstes Gut, unsere Kinder. Doch bei der Beurteilung der Schulen verlassen wir uns lieber auf das meist vernichtende Urteil selbst ernannter Bildungsexperten, die einzig die Verkaufszahlen ihrer Bücher im Blick haben. Mehr Vertrauen in die Expertise unserer Lehrer und vor allem auch mehr Kooperation zwischen Elternhaus und Schule würde nicht nur den Kindern zugutekommen, sondern uns auch in der Bildungspolitik einen großen Schritt vorwärts bringen.

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Christian Ortners Blog – Schein und Sein

Christian Ortner hat in seinem Blog eine fiktive Regierungserklärung verfasst, die sich unter anderem auch dem Bildungs- und Schulbereich widmet. Er schreibt dort wörtlich: „Um ihnen die besten Lebenschancen zu bieten, werden wir unsere Schulen endlich ins 21. Jahrhundert führen und, ähnlich wie in Schweden, für einen harten Wettbewerb privater und staatlicher Schulbetreiber sorgen, sodass die Qualität des Schulsystems endlich das dringend notwendige skandinavische Niveau erreicht.“

Die Realität sieht sowohl in Schweden als auch für drei weitere skandinavische Länder anders aus: „Today, among the 34 OECD countries, Sweden ranks 28 in mathematics, 27 in reading and 27 in science.“ (OECD (Hrsg.), „Resources, Policies and Practices in Sweden’s Schooling System“, Februar 2014, Seite 26). Vier der fünf Gesamtschulstaaten im hohen Norden Europas (Schweden, Island, Dänemark und Norwegen) schneiden bei PISA SCHLECHTER als Österreich ab.

Vielleicht sollte man weniger auf unreflektierte Slogans diverser selbsternannter Bildungsexperten vertrauen sondern wirklich recherchieren?

NEOS für Gesamtschule und starken Staat

Nun ist die bildungspolitische Katze endgültig aus dem Sack! Hat man noch vor der NR-Wahl um das Thema Gesamtschule herumgeeiert, spricht nun Matthias Strolz in der Presse vom 14.8.2014 Klartext: „Wir würden alle Schulen für Zehn- bis 15-Jährige Mittelschule nennen. Und sie wären gemeinsame Schulen, weil sie auf ein gemeinsames Ziel hinsteuern.“ Und generell muss man in diesem Interview feststellen, dass Etatismus und ein starker Staat das neue Prinzip der ehemals liberalen NEOS geworden zu sein scheint …

http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/3854490/Matthias-Strolz_Wir-sind-fur-einen-starken-Staat

Neue Mittelschule – Think global, act local

Spät, aber doch beschleichen nun auch ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka gehörige Zweifel an der Sinnhaftigkeit, die Neue Mittelschule (NMS) ohne vorherige Evaluation eingeführt zu haben. In Zeiten knapper Budgets wirken die hohen Kosten und schlechten Ergebnisse der NMS wie eine laut schrillende Alarmglocke. Doch bei näherer Betrachtung wird schnell klar: Das Problem sind nicht die Kosten, das Problem ist das System der NMS an sich!

Die Abschaffung der Leistungsgruppen in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik und das Vorgaukeln allzeit positiver Noten durch ein auf sieben Noten aufgeblähtes Beurteilungsschema ist in Wahrheit für das schlechte Abschneiden der NMS bei den Bildungsstandardtestungen verantwortlich. Lehrer wie Kinder wurden zu pädagogischen Versuchskaninchen degradiert, ihre Zukunft auf dem Altar der Gesamtschulideologie geopfert.

Der gemeinsame und daher kostenintensive Einsatz von Hauptschullehrern und Lehrern höherer Schulen sollte aus der NMS das „bessere Gymnasium“ machen. Auch noch zu einem Zeitpunkt, zu dem längst klar war, dass dies durch den immer stärker werdenden Lehrermangel von den höheren Schulen nicht mehr geleistet werden kann. Als Reaktion auf berechtigte Elternbeschwerden, die den fehlenden Einsatz von Lehrern höherer Schulen in der NMS monierten, wurde angehenden Lehrern in höheren Schulen nur dann ein Vertrag angeboten, wenn sie sich – mehr oder weniger freiwillig – bereiterklärten, auch in der NMS zu unterrichten. Da trafen dann Junglehrer, die in eine Schulart geschickt wurden, für die sie nicht die passende Ausbildung absolviert hatten, auf erfahrene Pflichtschul-Kollegen, denen mit dieser Vorgangsweise vermittelt wurde, dass ihr pädagogisches Wirken nur dann gut sei, wenn es vom Jungkollegen aus der höheren Schule „kontrolliert“ werde. Ein Umstand, der für beider Lehrer demotivierend und auch beleidigend war.

Selbst Nicht-Lehrer werden verstehen, dass die pädagogischen Herausforderungen einer Brennpunkthauptschule im 15. Wiener Gemeindebezirk völlig andere sind, als jene der Hauptschule Wenns im Tiroler Pitztal. Doch das System NMS macht zwischen diesen beiden Schulen keinen Unterschied und zwängt beide in ein starres und unflexibles Korsett. Statt dem zentral verordneten und kostenintensiven Teamteaching würde die Wiener Schule etwa mehr Sozialarbeiter und Schulpsychologen brauchen, während die Tiroler Schule vielleicht einen Leistungskurs für begabte Mathematiker anbieten könnte, für die der Weg ins nächste Gymnasium zu weit ist.

Dass eine Investition in die Bildung gerade in einem Land wie Österreich eine Investition in die Zukunft ist, braucht hier nicht näher ausgeführt zu werden. Aber anstatt starre Vorgaben bis ins kleinste Detail flächendeckend für das gesamte Bundesgebiet zu machen, würde es genügen, den organisatorischen und rechtlichen Rahmen zu schaffen und die Bildungsziele an den Schnittstellen im Alter von 6, 10, 14 und 18 Jahren verbindlich für alle festzulegen, den Weg dorthin aber den Schulstandorten zu überlassen. Und: Sinnvoll wäre auch, mehr in die vorschulische Bildung und in den Kindergarten zu investieren, denn in Wahrheit liegen die Probleme unseres Schulsystems dort begraben. Und genau dort können sie auch behoben werden.

Es geht also sicher nicht darum, weniger Geld der Bildung zur Verfügung zu stellen und kurzfristige Einsparungsmöglichkeiten zu lukrieren. Es geht darum, die Ressourcen so zu verwenden, dass die Schulstandorte selbst aufgrund ihrer lokalen Situation entscheiden können, welche Förderangebote für Schwächere notwendig sind und wie man begabte Schüler bestmöglich unterstützen kann, um die globalen Bildungsziele zu erreichen.