Politischer Anstand und die Rücktrittskultur

Nun also die nächste Panne bei der Zentralmatura. Dieses Mal gibt es Probleme beim Hochladen der Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) auf einen Datenbankserver des Bildungsministeriums. Offensichtlich sind die Kapazitäten des Servers nicht annähernd für die anfallenden Datenmengen ausgelegt. Überraschung ist das allerdings keine mehr. Denn diese neuerliche Panne ist nur ein weiteres Glied einer ganzen Kette von Pleiten und Pannen.

Noch unter Ministerin Schmied musste aufgrund massiver Mängel und Beschwerden der Schulpartner die Einführung der Zentralmatura um ein Jahr verschoben werden. Fern jeglicher Realität meinte sie damals, dass die neue Reifeprüfung durch die Verschiebung „die am besten vorbereitete Matura aller Zeiten“ werde. Nach der letzten Nationalratswahl trat sie allerdings unverrichteter Dinge ab.

Doch kommt selten etwas Besseres nach. Ministerin Heinisch-Hosek erwischte es bereits kurz nach Amtsantritt eiskalt, als sensible BIFIE-Daten in rauen Mengen auf einem rumänischen Server auftauchten. Bei der Generalprobe der zentralen Klausuren in ausgesuchten Versuchsschulen wenige Monate später ging so ziemlich alles, was schief gehen kann auch wirklich schief. In Englisch wurde aus heiterem Himmel der Beurteilungsschlüssel zum Nachteil der Schülerinnen und Schüler verändert, in Deutsch wurde ein Text mit nationalsozialistischem Hintergrund als Angabe gegeben und in Mathematik fehlte an manchen Schulen gleich die Hälfte der Aufgabenstellungen in den Prüfungsheften. Bei der heurigen zentral vorgegebenen Mathematik-Probeschularbeit gab es ein katastrophal schlechtes Ergebnis, die Probeschularbeiten aus Englisch und Deutsch waren ursprünglich zu lang und daher unbrauchbar. Die Vorbereitungszeit zwischen schriftlicher und mündlicher Matura wurde drastisch auf ein Viertel gekürzt – aus Kostengründen, wie man auf Nachfrage im Bildungsministerium zugeben muss. Und nun eben das Chaos rund um das Hochladen der VWA.

Einzig die Reaktion Heinisch-Hoseks auf das Matura-Chaos bleibt der konstante Faktor in dieser Pleiten-, Pech- und Pannenserie: Frei nach dem Motto „wasch mich, aber mach mich nicht nass“ schob sie die Verantwortung für das Datenleck der Firma Kapsch in die Schuhe, nach dem Maturadesaster des letzten Jahres mussten die beiden BIFIE-Direktoren gehen und nun soll es beim VWA-Debakel wiederum eine vom Bildungsministerium beauftragte IT-Firma sein, die nicht liefert, was mit ihr vereinbart wurde.

Spätestens wenn einer Bildungsministerin erboste Elternvertreter die Fähigkeit, auch nur einen Würstelstand zu führen, medial absprechen, ist der Zeitpunkt gekommen, wo es der politische Anstand aber auch die eigene Würde gebieten würden, zurückzutreten. Der Fisch fängt bekanntlich vom Kopf her zu stinken an. So sah es Unterrichtsminister Theodor Piffl-Perčevič und nahm 1969 seinen Hut, als er das 13. Schuljahr nicht durchsetzen konnte. Und so sah es auch Stadtrat Fritz Hofmann 1976, als er nach dem Einsturz der Reichsbrücke zurücktrat. Und wie sieht das Gabriele Heinisch-Hosek?

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