Die Gesamtschulmodellregion – und was wirklich dahinter steckt

Tirol hat sie bereits mit dem Zillertal, Vorarlberg möchte eine gleich für das gesamte Rheintal. Die Rede ist von einer Gesamtschulmodellregion. Doch was steckt hinter diesem hochtrabenden Titel?

Im Zillertal nicht viel. Denn Gesamtschule heißt, dass wirklich alle Kinder ohne Ausnahme in eine gemeinsame Schule gehen. In Wirklichkeit ist es aber so, dass die Zillertaler Kinder, die ein Gymnasium in Schwaz besuchen wollen, dies auch weiter tun können. An der Wahlfreiheit zwischen einer NMS im Zillertal und den Gymnasien in Schwaz hat sich nichts geändert. Einzig die eigens engagierten Bildungswissenschafter werden wohl ins Schwitzen kommen. Sie müssen um teures Geld den Erhalt des Status Quo als wissenschaftlich nachvollziehbare Verbesserung umdeuten.

Dies scheint auch die Tiroler Bildungslandesrätin Beate Palfrader einigermaßen zu stören wenn sie etwa in der Presse vom 28.8.2014 wie folgt zitiert wird: „Ich hoffe, dass Neues zugelassen wird“, sagt die Tiroler Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP). Sie wünscht sich eine Gesetzesänderung, die Modellregionen zur Gesamtschule ermöglichen, bei denen tatsächlich keine Wahlfreiheit mehr zwischen verschiedenen Schultypen besteht.“

Das Problem der Gesamtschulfreunde liegt im §7a des Schulorganisationsgesetzes begraben. Dort lautet nämlich der Absatz 5: Modellversuche dürfen an einer allgemein bildenden höheren Schule nur dann eingerichtet werden, wenn die Erziehungsberechtigten von mindestens zwei Dritteln der Schüler und mindestens zwei Drittel der Lehrer der betreffenden Schule dem Modellversuch zugestimmt haben.

Das dürften auch die Vorarlberger erkannt haben wenn sie im schwarz-grünen Regierungsübereinkommen schreiben: „(…) entwickelt die Landesregierung nach Abschluss des Forschungsprojektes ab Mai 2015 einen Vorschlag für einen regionalen Schulversuch „Gemeinsame Schule“ und ersucht die Bundesregierung, diesen zu ermöglichen.

Schon einmal scheiterte eine geplante Gesamtschulmodellregion in Lustenau im Jahr 2012 binnen 48 Stunden an der Zustimmung der Schulpartner vor Ort. So ein Waterloo darf kein zweites Mal passieren. Daher muss eine Gesetzesänderung her, die genau diese Mitbestimmungsrechte aushebelt. Und nachdem das Schulorganisationsgesetz ein Bundesgesetz ist, braucht es die „Hilfe“ der Bundesregierung.

Während die Landesregierungen von Tirol und Vorarlberg zumindest halbherzig noch versuchen, diesen demokratiepolitischen Anschlag der Sonderklasse zu verschleiern, spricht die SPÖ Tirol in bemerkenswerter Offenheit genau das aus, was Gesamtschulfreunde wirklich im Schilde führen: „Im Bildungsbereich fordern Reheis [Anm.: Gerhard Reheis, Klubobmann der SPÖ Tirol] sowie Mayr (auf Nachfrage) [Anm.: Ingo Mayr, SPÖ-Vorsitzender Tirols], dass ganz Tirol zur Gesamtschulmodellregion wird – sowie somit ebenso die Unterstufe von Gymnasien abgeschafft wird. Die (rote) Bildungsministerin müsse dafür sorgen, dass Lehrer sowie Eltern solche Schulversuche gar nicht mehr durch Abstimmung verhindern können. (Standard, 7.11.2014)

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