Gesamtschule: Battleground Vorarlberg

Während es in den Bundesländern Salzburg und Tirol in Sachen Gesamtschulmodellregionen relativ ruhig geworden ist, entwickelt sich Vorarlberg zum bildungspolitischen Battleground. Dass dies den bevorstehenden Landtagswahlen zu verdanken ist, behaupten allerdings nur böse Zungen.

Die Vorarlberger ÖVP hat sich angesichts schlechter Umfragewerte in eine denkbar ungünstige Situation hineinmanövriert. Wer sich mit deklarierten Gesamtschulideologen ins Bett legt, der darf sich nicht wundern, wenn diese bei der ersten sich bietenden Gelegenheit ein wissenschaftliches Forschungsprojekt zur Makulatur machen. Insofern war die Veröffentlichung von ersten, noch dazu unvollständigen, Rohdaten einer groß angelegten Befragung zur Zukunft der Schule keine Überraschung. Und das darauf folgende Politspektakel auch nicht.

Dabei würde es ein solches Politspektakel gar nicht brauchen! Vorarlberg hat fast alle seiner Hauptschulen in den Gesamtschulvorläufer „NMS“ umgewandelt. Einzig die Hauptschule in Lech und die Hauptschulen des Bregenzerwaldes in Bezau, Egg und Lingenau wollten aus eigenen Stücken keine NMS werden. Sie verzichteten damit ganz bewusst auf zusätzliche finanzielle und personelle Ressourcen, bewahrten sich aber dadurch die Möglichkeit der Führung von Leistungsgruppen in den Hauptfächern. Aufgrund ihrer geografischen Lage und der großen Entfernung zum nächsten Gymnasium besuchen fast 100% eines Jahrganges diese Hauptschulen, der Bregenzerwald stellt somit bereits heute eine Gesamtschulregion dar.

Die Ende Jänner veröffentlichten Ergebnisse der Bildungsstandardtestung aus Englisch bringen nun höchst interessante Ergebnisse zu Tage: Die Vorarlberger Hauptschulen liegen mit 514 Punkten deutlich vor der NMS, die trotz des massiv höheren Finanz- und Personalaufwands über ein Ergebnis von 482 Punkten nicht hinaus kommt. Sie liegen aber auch deutlich hinter den Gymnasien, die mit 604 Punkten einen Lernvorsprung von 90 Punkten oder umgerechnet fast 2,5 Jahren aufweisen.

Der Bregenzerwald als Gesamtschulregion belegt, welcher Verlust mit der Auflösung der Gymnasien verbunden wäre. Mehr als die 514 Punkte der Vorarlberger Hauptschulen kann man derzeit von einer „echten“ Gesamtschule nicht erwarten, ganz zu schweigen von den 482 Punkten der NMS. Man sollte daher genau im Bregenzerwald versuchen herauszufinden, was es braucht, damit das Niveau angehoben werden kann bzw. ob dies überhaupt mit einer Gesamtschule möglich ist bevor man ganz Vorarlberg mit der Gesamtschule zwangsbeglückt.

Inzwischen hat die Vorarlberger Politik die Realität allerdings wieder eingeholt: Eine vom – in dieser Frage unverdächtigen – ORF Vorarlberg durchgeführte Erhebung zur Frage „Derzeit fällt die Schulentscheidung in der vierten Klasse Volksschule. Wie beurteilen Sie das?“ erbrachte das Ergebnis, dass 80,12 % der Meinung sind, dass das richtig ist und nur 19,88 % meinen, dass das zu früh sei. (1)

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