Modellversuche zur Gesamtschule?

NR-Präsident Kopf, selbst vom leistungsdifferenzierten Schulsystem überzeugt, zeigt sich in den Vorarlberger Nachrichten (http://www.vorarlbergernachrichten.at/politik/2014/01/03/waehler-sollen-kandidaten-kueren.vn) von seiner generösen Seite und plädiert für Modellversuche zur Gesamtschule, vor allem in Vorarlberg. Freilich nur unter wissenschaftlicher Betreuung und Evaluierung. Als gelernter Österreicher kommen einem speziell beim Wort „Evaluierung“ sofort gröbere Bedenken. Denn erst kürzlich hat der Rechnungshof das schulische Paradeprojekt „Neue Mittelschule – NMS“ der abgetretenen Unterrichtministerin Schmied nach Strich und Faden zerzaust. Der Rechnungshof schreibt in seinem Bericht über die Einführung der NMS:

„Ein Ziel der NMS-Modellversuche war, den Übertritt der Absolventen in höhere Schulen zu steigern. Das Unterrichtsministerium veröffentlichte 2012 eine gestiegene Übertrittsrate von 12,4 Prozentpunkten. Für die Berechnung der Übertrittsrate wurden unpassende Vergleichsdaten herangezogen. (…) Der Rechnungshof beanstandete den verzerrten Vergleich und empfahl dem Unterrichtsministerium, in Zukunft objektiv ermittelte Statistiken zu veröffentlichen.“

„Die Ergebnisse der gesetzlich vorgeschriebenen Evaluation lagen zur Zeit der Gebarungsüberprüfung (November 2012 bis März 2013) noch nicht vor. Bei der Einführung der NMS in das Regelschulwesen im Schuljahr 2012/2013 hatte somit eine zentrale Entscheidungsgrundlage für diese wichtige bildungspolitische Maßnahme mit weitreichenden finanziellen Auswirkungen gefehlt.“

Die generöse Seite des Nationalratspräsidenten könnte sehr rasch zur zuschnappenden Falle werden. Denn Schulideologen verfälschen – bestätigt durch den Rechnungshof – Statistiken und Evaluationen, dass sich die Balken biegen. Und passen dann die Ergebnisse immer noch nicht, verzichtet man ganz einfach darauf und führt die Gesamtschule eben ohne wissenschaftliche Begleitung ein. Dass bei jeder diesbezüglichen Umfrage die Gesamtschule von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird, wird dann wohl auch keinen der Entscheidungsträger kümmern …

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Ein Vielleicht zur Gesamtschule

Sehr geehrte Frau Ritzer!

Sie schreiben heute in Ihrem Leitartikel: „. Immer noch ist die gemeinsame Schule hochgradig ideologisch aufgeladen, eine Einigung nicht in Sicht. Es ist aber ein Zeichen dafür, dass erkannt wurde, dass brachiale Neinsager-Politik bei den Wählern nicht ankommt.“

Dass hier die Bundes-ÖVP im Gegensatz zur Landespartei in Tirol am leistungsdifferenzierten Schulsystem festhält, hat  neben vielen inhaltlichen Argumenten vor allem aber den starken Wunsch der Bevölkerung zum Erhalt der Gymnasien als Hintergrund. Selbst in der Tiroler Tageszeitung konnte man am 27.12.2013 über eine eigens in Auftrag gegebene Umfrage lesen, das 66% der Bevölkerung in Tirol die Gesamtschule ablehnen (siehe http://www.tt.com/home/7665152-91/front-gegen-gemeinsame-schule.csp). Warum sollte daher die Bundes-ÖVP umdenken und gegen eine so breite Front der Bevölkerung Politik betreiben? Dass dies nicht gut gehen kann, hat ja bereits die Tiroler ÖVP mit ihrem historisch schlechtesten Landtagswahlergebnis im Frühjahr 2013 gezeigt.